Wenn man nicht genug Arbeit hat, …

dann macht man sich welche!

Wenn auch nicht gerade beabsichtigterweise haben wir uns mal eben ein neues Waschbecken geleistet. Unser altes hatte zwar schon einen Sprung in der Schüssel, aber so richtig weit vorne auf der Liste der zu ersetzenden Dinge war es eigentlich nicht gestanden.

Nun ja, nach dem vor Jahren eine ungeduldige Parfümflasche (oder sagt man Flacon dazu?), auf ihrem eiligen Weg der Schwerkraft folgend, besagten Sprung hinterlassen hatte, das Becken aber weiterhin treu seine wasserauffangenden Dienste verrichtete, war es mein morgendlicher, etwas ungewohnter Griff nach dem Pre-electric-shave-Rassierwasser, der die leerwerdende und die als Ersatz schon bereitstehende normale-Rassierwasserflasche so erschütterte und aus dem seelischen Gleichgewicht brachte, dass sie sich, ob der vermuteten Verschmähung, selbstmörderisch in die Tiefe stürzten!

Eine konnte ich noch im Fluge auffangen. Die andere zwar auch, aber erst nachdem sie mit einem sanften Pling auf dem Waschbeckenrand zwischengelandet war. Diesem Pling folgte allerdings ein deutlich weniger sanfter Kawumm, als ein Drittel des Waschbeckens eine intensive Kontaktaufnahme mit den Bodenkacheln ausführte. Der Sprung hatte sich kurzerhand zu einer Art Sollbruchstelle mutiert und so stand ich verwundert vor einem zweidrittel Waschbecken und habe leise verwundert zu Protokoll gegeben: „Do sch*** doch der Hund druff!!!“

Dies wiederum rief den Mittelpunkt (oder muss das dann heißen „Mittelpünktin“???) auf den Plan (und weckte auch das ein oder andere Kind auf, was aber eh überfällig war), was es mir in der Folge unmöglich machte, das abtrünnige Drittel provisorisch wieder dran zu stecken und darauf zu warten, dass ein anderes Familienmitglied als Verursacher dieser Misere hingestellt hätte werden können. (Ehrlich gesagt kam mir dieser Gedanke auch gerade eben erst beim Tippen. In solchen Sachen bin ich manchmal etwas langsam …)

Nach dem die ersten Splitterschäden aufgefegt waren, kamen wir gemeinsam zu der Einsicht, dass ein Zweidrittelwaschbecken zwar theoretisch mehr ist als ein Garkeinwaschbecken, aber praktisch nicht wirklich überzeugend im laufenden Familienbetrieb als Sparmaßnahme verkauft werden könne. Bei neun bis zehn Personen ist ein ganzes Waschbecken in „Gästeklo“ nicht dauerhaft ausreichend, um Konflikte vermeiden zu können. Noch schlimmer! Diverse Nachwüchse hätten nun tatsächlich ein überzeugendes Argument, warum die Aufforderung, eine adäquate Säuberung vorzunehmen, nun so gar nicht befolgt werden konnte.

Also suchte ich heute Abend, nach dem nur halb gelungenen Versuch, der Arbeit etwas früher zu entfleuchen, einen Baumarkt unseres Vertrauens auf und erstand ein niegel nagel neues „Becken der Waschung“, allerdings eher eines der einfacheren Art. Die exklusiveren Varianten dieser Gattung waren sowohl monetär, als auch was die handwerklichen Fähigkeiten meinerseits anginge, jenseits von Gut und Böse. Da gibt es ja Teile, da würde man sich ja erst mal die Hände waschen, bevor man sich an diese fast schon Designtempel zu nennenden Waschgelegenheiten wagen würde.

Dieses gegen das alte auszutauschen war sogar unerwartet einfach gelungen und mit tatkräftiger Unterstützung der Mittelpünktin relativ schnell erledigt. Aber leider hat sich meine morgendliche Befürchtung bewahrheitet, dass es dann wieder die kleinen Dinge sind, die den größten Aufwand nach sich ziehen. Die Becken sind ja Gott (und der deutschen Normierungskunst) sei Dank einheitlich, was Wandbefestigung und so betrifft, aber das heißt leider nicht, dass dies dann auch auf die Siphonhöhe und so zutrifft.

Daher also nochmals kurz vor Ladenschluss in den Baumarkt und neue, passende Siphonteile erstanden, die allerdings auch den Vorteil haben, weitaus wasserdurchlässiger zu sein, als die über 15 Jahre alten Vorgänger.

So, nun wisst ihr, was ich heute so vor und nach der Arbeit getrieben habe und auch wie ich den Abend verbrachte (tippend nämlich), da die Mittelpünktin wohl wiedereinmal beim unserem Mini-ins-Bett-bringen mit eingeschlafen ist. Allerdings erst nachdem er einen Teil des Abendessens wieder retour geschickt hat. (Und nein, ich werde jetzt nicht beschreiben, wie wir die Folgen dieser Rückgabe beseitigt haben.)

Und um nun gänzlich im Klischee zu bleiben kommt hier jetzt noch ein Foto, passend zum Thema: 🙂

Waschkultur

P.S.: Sowohl der Flacon damals, als auch die Rasierwasserflaschen heute haben ihre selbstmörderischen Aktionen überlebt!

Nachtrag: Die Mittelpünktin war nicht entschlafen, sondern bei Sohnemann Nr. 2 Studentenwitze gucken!

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Über Michael

Ich weiß, dass ich nichts weiß. (Sokrates) ... aber davon ganz schön viel!!! ;-)
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7 Antworten zu Wenn man nicht genug Arbeit hat, …

  1. Claudia schreibt:

    Sorry, aber ich musste herzlich lachen. *grins*

    • Michael schreibt:

      🙂
      Naja, das war ja auch der Sinn der Übung! (Also des Aufschreibens, nicht des Beckenzerschmetterns!)
      😀
      Und natürlich auch ein wenig Frustverarbeitung meinereinerseits … und so im Rückblick entdecke ich dann schon manchmal auch noch die komischen Seiten!

  2. ute42 schreibt:

    Bitte achte auf die beiden „Flaschen“. Ein weiterer Selbstmordversuch sollte ausgeschlossen werden. Vielleicht haben sie eine Sprunglos-Becken-Aversion.
    Wie gut, dass ihr beide handwerklich so begabt seid. Ich hätte den Fachmann holen müssen und danach wäre es dann an meinem Geldbeutel gewesen, einen Selbstmordversuch zu begehen. Nicht böse sein, aber auch ich habe Tränen gelacht. 🙂

    • Michael schreibt:

      Siehe oben! 😉
      So lange es Lachtränen sind, bin ich ja beruhigt … 😀
      Und die „Flaschen“ stehen unter verschärfter Aufsicht und hinter Gittern, äh Spiegeltüren.

  3. Tamar schreibt:

    Einfach köstlich, wenn auch bestimmt sehr ärgerlich, solange man noch nicht aus der Rückschau berichten konnte.

    Ich erinnere mich noch lebhaft an eine ähnliche Geschichte von damals, als Luise gerade ein paar Tage alt war und der Fachmann, den wir mangels handwerklicher Fähigkeiten bestellen mussten, erst nach zwei Wochen kommen konnte. Als er dann das zerstörte Becken sah, meinte er nur: „Warum haben Sie mir nicht gleich gesagt, dass das ein Notfall ist. Die Kleine hätte sich ja an dem Ding verletzen können.“

    • Michael schreibt:

      Nee, zwei Wochen, da wären wir aufgeschmissen! 🙂

      So schwierig war die Aktion eigentlich auch nicht. Und der „Sprung“ hat zwar Jahre gehalten, aber doch immer wieder genervt.
      Was eher ärgerlich war: Dieses Gefühl, dass es eigentlich nie normal und ruhig bei uns zugehen kann. Immer ist irgendetwas extrawurstiges, was wir gerade so gar nicht gebrauchen können. 🙂
      Und dann oft auch etwas, wo man erst mal überlegen muss, was mache ich / wir denn nun damit! So viele Sachen, die man nicht aus dem Ärmel schüttelt und / oder die Routine fehlt.

      Aber vielleicht müssen wir auch einfach nur unsere Einstellung ändern und das IST DAS NORMALE???

      (Merke: Je später der Abend, desto philosophischer die Kommentarantworten!!!) 😀

  4. Tamar schreibt:

    Genau diese Gedanken habe ich mir neulich auch gemacht: Ich muss nur endlich damit aufhören, das beschauliche Leben als normal und das Chaos als abnormal anzuschauen. Vermutlich ist es nämlich genau umgekehrt.

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